Deutschlands erste Autobahnraststätte „Rodaborn“

 
Quelle "Roda-Born"
Die Quelle - der "Roda-Born"

Die Gaststätte „Walderholungsheim Rodaborn“ bei Triptis, auf der Wittchensteiner Höhe, wurde in den 1920er Jahren errichtet. Seine Entstehung verdankte sie einer Wasseruntersuchung durch den Jenaer Professor Dr. Gärtner, der übrigens auch am 07.05.1926 das Wassergutachten vor dem Bau für das Freibad Hermsdorf / Thüringen erstellt hatte. Er untersuchte das Wasser der namensgebenden Quelle „Roda - Born“ und bescheinigte ihm eine Heilkraft "bei Gicht, Rheumatismus und Nierenleiden". Daraufhin gründeten 500 Bürger aus Triptis eine Genossenschaft, die das Walderholungsheim mitten im Wald errichteten und 1928 eröffneten.


Doch bald war es vorbei mit der Waldidylle. Am 19.07.1934 fand dort der erste Spatenstich für den Streckenabschnitt zwischen Triptis und Eisenberg statt, es war der erste Bauabschnitt auf Thüringer Gebiet. Die "Geraer Zeitung" schrieb dazu: "… Der erste Spatenstich für die Reichsautobahnen - Ministerpräsident Marschler und Innenminister Wächtler in Triptis. Alle Thüringer Behörden bei dem feierlichen Staatsakt vertreten … erster Bauabschnitt auf Thüringer Gebiet .. .bei Triptis, Wittchensteiner Höhe ... Bauabschnitt trägt die Los-Nr. 18 ... Bauabschnitt von Los-Nr. 18 endet in der Nähe von Bad Klosterlausnitz. In den Wäldern von Hermsdorf soll mit dem Fällen der Bäume (Aufhieb) in den nächsten Tagen begonnen und das Abschlußlos vergeben werden. Der gesamt Bauabschnitt bildet einen Teil der Nord-Süd-Linie, die von Berlin über Leipzig-Schkeuditz, Schleiz, Bayreuth und Nürnberg nach München führt …"

In dieser Zeit wurde mit dem Umbau der Gaststätte „Rodaborn“ zur Autobahn-Raststätte begonnen und Parkplätze auf beiden Seiten angelegt. Am 20.12.1936 wurde sie als erste (Reichs-) Autobahnraststätte Deutschlands in Betrieb genommen. Dies erfolgte im Rahmen der Freigabe der Teilstrecke zwischen Eisenberg und Schleiz. Sie gehörte nicht zu den Reichsautobahn-Rastanlagen, die vom Unternehmen „Reichsautobahnen“ betrieben wurden, sondern erwies sich für die Genossenschaftler als eine wahre Goldgrube. Selbst mitten im Krieg, als fast alle jungen Männer an die Front mussten, sorgten zwei Kellner und ein Parkplatzwächter für reibungslosen Betrieb.

Um vom Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite gefahrlos zur Raststätte zu gelangen, baute man einen Holzsteg über die Fahrbahn. Die Frau des Bauern, der das Holz für die Brücke lieferte, hieß Erna. Der Steg erhielt deshalb den Namen „Ernasteg“.

   
Die Raststätte um 1950
Die Raststätte um 1950
Ansichtskarte aus den 1960er Jahren
Ansichtskarte aus den 1960er Jahren
Raststätte Rodaborn Raststätte Rodaborn
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Raststätte weiter bis 1959 durch die Genossenschaft betrieben. Anschließend ging sie in das Eigentum der Stadt Triptis über und wurde zunächst privat verpachtet. Als der Pächter in den Westen ging, übernahm die HO die Raststätte. Die Raststätte war beliebtes Ausflugsziel für die Triptiser und auch Hermsdorfer.
Raststätte Rodaborn

Raststätte Rodaborn

 

Rodaborn, Raststätte 1973 Rodaborn, Raststätte 1973
   
Rodaborn, Raststätte 1973 Rodaborn, Raststätte 1973
   
Rodaborn, Raststätte 1973 Rodaborn, Raststätte 1973

Ende der 1970er Jahren erfolgte die Schließung später die Wiedereröffnung durch die MITROPA als Transitraststätte. Nach der Wende führte die MITROPA AG die Raststätte weiter. Aus Rodaborn wurde eine ganz normale, wenn auch etwas altmodische Raststätte. Doch gerade das Rustikale wussten viele Gäste zu schätzen.
Die acht Fotos oben stammen aus dem Jahr 1973. Sie wurden durch die Staatssicherheit gefertigt. Die gesamte Raststätte, bis zur letzten Besenkammer wurden fotografiert und eine Akte mit Beschreibung angelegt. Dies diente offensichtlich der Vorbereitung zur Transit-Raststätte.

 
Am 30.06.2004 kaum im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der A 9 das Aus. Der „Ernasteg“ wurde 2006 noch durch eine moderne Beton-Stahl-Konstruktion ersetzt. Alle Bemühungen zum Erhalt der Raststätte blieben erfolglos. Eine Wiedereröffnung ist gesetzlich auch kaum mehr möglich, weil mit Schließung 2004 die Konzession entzogen wurde. Seither steht sie leer, die alten Parkplätze auf beiden Seiten wurden zurückgebaut, bzw. gingen durch die Autobahnverbreiterung verloren.
Der alte Parkplatz an der Raststätte Rodaborn Nach der Erweiterung wurde der Parkplatz etwas weiter Richtung Triptis verlegt.
Die Raststätte wurde nach der Schließung eingezäunt (ganz rechts erkennbar).
 

Pressemeldung vom 01.11.2008: Die ehemalige Autobahnraststätte „Rodaborn“ wurde verkauft. Das teilte die Bundesimmobilienverwaltung mit. Der Verkauf an einen Investor werde in den nächsten Tagen abgewickelt.

Viedotext von 2008
Ob aus der obigen Meldung nichts wurde, oder der Verkauf so lange dauerte kann nicht gesagt werden. Am 02.05.2009 erfolgte mehrfach die Rundfunkmeldung durch den MDR Thüringen, das die Raststätte verkauft wurde. Der neue Besitzer beabsichtigt dort eine Ausflugsgaststätte zu errichten.

Die Nutzung als Autobahnraststätte sei "aus rechtlichen Gründen" nicht mehr möglich. Nach unseren Informationen ist es einer großen Kette von Raststättenbetreibern gelungen, der ältesten deutschen Raststätte die Konzession als solche zu entziehen und so einen Mitbewerber zwischen den Raststätten Rudolphstein und Hermsdorf auszuschalten.
 
Letze Meldung aus Rodaborn:
Ostthüringer Zeitung vom 03.05.2011
Ostthüringer Zeitung vom 03.05.2011
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