Jürgen Debler erinnert sich:
„…Wir Lehrlinge wurden wegen
der akuten Personalknappheit wiederholt entsprechend des Ausbildungsstandes in
allen möglichen Bereichen eingesetzt. So erinnere ich mich noch an Einsätze in
der Gepäck- und Expressgutabfertigung, der Güterabfertigung in Hermsdorf sowie
als Ladeschaffner in Jena-Saalbahnhof und an Einsätze auf den z. T. sehr
steilen Berghängen zum Beräumen der Brandschutzstreifen zwischen Papiermühle
und Stadtroda. Diese Einsätze fanden regelmäßig an den Wochenenden statt. Man
bekam dann zwar den folgenden Montag frei, aber die Tanzveranstaltungen fanden
in Bad Klosterlausnitz und Umgebung immer nur am Wochenende statt. Als
pubertierender „Gernegroß“ oftmals eine harte Nuss. Geschadet hat das ganze
aber im Rückblick nicht. Die Lehrzeit betrug zwei Jahre und die Entlohnung
belief sich auf 65,-DM im ersten Lehrhalbjahr und steigerte sich halbjährlich
auf 73,-DM, 85,-DM und schließlich auf 100,-DM. …
Nach der Lehre habe ich noch
bis März 1962 auf dem Bahnhof Hermsdorf, der Haltestelle Papiermühle und der
Blockstelle Oberndorf gearbeitet. Im April 1962 wurden die ersten
Wehrpflichtigen einberufen und da war ich mit von der Partie
(Erfurt-Steigerkaserne). Nach dem Grundwehrdienst arbeitete ich noch ein
knappes Jahr in Hermsdorf als Urlaubs- und Krankenvertreter und auf dem
Bahnhof Töppeln. …
Dienstvorsteher auf dem
Bahnhof Hermsdorf-Klosterlausnitz war in meiner Lehrzeit Herr Koll, später Herr
Ludwig und Schindhelm. Vertreter und gleichzeitig Kassenverwalter war Koll.
Franz Wagner (wohnte in Klosterlausnitz). Die Güterabfertigung war besetzt mit
den Kollegen Wagner (Güterkasse), Bruno Milkner (Frachtenrechner), Förster
(Stückgut und Ermittlungsdienst) und dem Wagendienst (Besetzung im
Schichtdienst). Mir fallen noch die Namen Schubert, Gerth und Burgold „Atze-Atze“
ein. Zur Güterabfertigung gehörte noch ein Güterboden (besetzt mit zwei (?)
Arbeitern). Die schickten, wenn ich dort zu tun hatte, den Lehrling Debler
regelmäßig mit einem kleinen Tablett über die Gleise zur Gaststätte zum Bier
und Schnaps hohlen - immer mit dem wohlmeinenden Rat, beim Überqueren der
Gleise schön aufzupassen, nichts zu verschütten und von keinem gesehen zu
werden. Die Gaststätte hatte auf der Bahnsteigseite auch eine Ausgabeluke, an
der sich auch gern die Reisenden etwas Trinkbares herausreichen ließen.
Auf dem Güterboden fand zu dieser Zeit ein sehr reger Stückgutverkehr statt. Da
brachten auch Privatleute ihre Kisten mit dem Handwagen zur Laderampe.
Hauptsächlich wurden die Stückgüter aber von Spediteuren aus Hermsdorf und Klosterlausnitz gebracht und abgeholt. Ich
erinnere mich noch an eine Minispedition, die von einer Frau aus Hermsdorf mit
einem Pferd und Wagen betrieben wurde, weil ihr die Güterbodenarbeiter die
schweren Kisten auf ihren Wagen luden.
Die Kollegen der Gepäck- und Expressgutabfertigung, deren Aufgabe es auch war, die Reisenden auf den Bahnsteig zu lassen , und dabei die Fahrausweiskontrolle durchzuführen (Fahrkarten knipsen - im Amtsdeutsch lochen) war besetzt mit Frau Donat und ... damals durfte
man den Bahnsteig nur mit einem gültigen Fahrausweis betreten. Wer den nicht
hatte und trotzdem auf den Bahnsteig wollte, musste sich eine Bahnsteigkarte
lösen, die vor dem Betreten des Bahnsteiges gelocht und beim Verlassen des
Bahnsteiges an der Bahnsteigsperre vom Bahnsteigschaffner – also Frau Donat
- wieder abgenommen wurde.“
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