Teil 1 - Brauwesen in Hermsdorf / Bergstraße 11 Brauhaus |
|
| Nach alten geschichtlichen Aufzeichnungen wurde in Hermsdorf schon in früher Zeit gebraut. Dies geschah vorerst für den Eigenbedarf, später auch zum Verkauf, damit auch als Möglichkeit den Lebensunterhalt aufzubessern. | |
|
|
Aus der Chronik ist überliefert, dass 1655 die Hermsdorfer Bürger aus einem Gerichtsstreit mit Nicol Tammrich, dem Wirt der Gaststätte „Zum Schwarzen Bär“, als Sieger hervorgingen. Sie erhielten das Brau- und Schankrecht, welches bis dahin nur den Gastwirten vorbehalten war und der Reihenschank wurde eingeführt. Reihenschank bedeutete, dass jeder Brauberechtigte eine Woche selbst gebrautes Bier ausschenken durfte. Sichtbares Zeichen, wo dieser Ausschank gerade erfolgte, war die Bierstange. Dazu wurde eine Stange, mit einem daran befestigten Kranz, gut sichtbar am Haus ausgehängt. Die gute Stube wurde ausgeräumt und als Gaststube eingerichtet.
Bis zum Ausbruch des 2.Weltkriees gab es in Hermsdorf eine sogenannte Bierstange. Sie befand sich in der Eisenberger Str. 24 bei Albin Schröder. Wenn in Hermsdorf Wochen- oder Jahrmarkt war, oder wenn Bockbieranstich war, dann hatte Albin Schröter, der im Volksmund „Bussels Albin“ genannt wurde für eine Woche Schankrecht. Alma und Albin Schröter räumten immer die Stube aus und es war dann jedes mal viel Stimmung im Haus bei vorzüglichen Bier und Rumkaffee. Albin hatte außerdem eine Flaschenbierhandlung und so kam es, dass sich fast täglich nach Feierabend die Nachbarschaft bei Bussels in der Küche zum fröhlichen Umtrunk traf. Zur 700-Jahr-Feier von Hermsdorf im Jahr 1956 wurde diese Tradition letztmals ausgeführt, damals aber nicht mehr mit selbst gebrautem Bier, sondern mit Bier aus der Riebeck-Niederlage. |
|
![]() 1928 Demontage des E-Werkes im Elektrizitäts- und Sägewerk Völkel im Felsenkellerweg. Der Heizkessel wird abtransportiert. Rechts im Bild das Geschäft von Eduard Lauckner. Bildmitte das Haus des Fleischermeisters Peuckert, zu dieser Zeit durch Richard Gräfe gepachtet. Links im Bild die Ecke des Hauses Eisenberger Str. 24, mit dem Reklameschild der Riebeck-Brauerei, dort befand sich die Bierstange. |
|
|
|
![]() Beleg der Braugemeinde zu Hermsdorf über Einnahmen und Ausgaben von 1856 bis 1858 |
|
![]() Rechnung vom Juni 1863 |
|
![]() Rechnung vom 19.12.1870 |
|
![]() Rechnung vom 25.12.1870 Traugott Gruner (Grunertsbacker) lieferte 5 Sack Braugerste |
|
![]() Rechnung an die Braukommune Hermsdorf, vom 24.03.1873 Gottfried Fuchs aus Eingeborn lieferte an die Braukommune (Empfänger J.F. Wittig) Giftkugeln. |
|
![]() Rechnung vom 1873 |
|
Im Jahr 1876 wurden in Hermsdorf zwei Brauereien gegründet: 1. die
Kommunebrauerei
Blaudruck Eigentümer Chemnitz - die Brauerei wurde 1905 verkauft und
Gemeindebrauerei O.Keucher - bisher konnte der Standort dieser Brauerei
nicht in Erfahrung gebracht werden. Um 1910 wurde die Brauerei geschlossen. Paul, Serfling - Kellermeister. Paul Serfling war um 1925 Bierverleger in der Ernststr. 2 (im Objekt "Zum Schwarzen Bär") und laut Grundbuchauszug vom 4.Juni 1927 Gastwirt "Zur Linde" bis 1948. |
|
Bierflasche von Paul Serfling vermutlich aus seiner Zeit als Bierverleger um 1925 bis 1927. |
|
![]() Altstadtansicht mit Brauhaus in der Bergstraße. |
|
![]() |
|
| Blick auf die Bergstraße, Bild Mitte links neben Schornstein der Turm des Brauhauses. | |
![]() Brauhaus in der Bergstraße 11 |
|
![]() |
Erlaubnisschein Im Jahr 1875 wurde die Eisenbahnlinie Gera - Weimar in Betrieb genommen. Dies bedeutete den Untergang der Fuhrmänner, die sich andere Arbeit suchen mussten. |
![]() |
1914 erhielt Louis Kraft die Erlaubnis, in der Kantine der Porzellanfabrik Bier, Branntwein und Viktualien zu verkaufen. Dieser Verkauf von Alkohol im Betrieb wurde bis 1945 (siehe Teil 2) durchgeführt. Später hatte Louis Kraft eine eigene Gastwirtschaft, das "Bergschlösschen" (Schillerstraße / Waldgasse / Bergstraße). Er verstarb am 11.03.1931 und seine Frau Anna Kraft führte die Gaststätte weiter.
Von lat. victus „Lebensmittel, Vorräte“ - historische Bezeichnung für Lebensmittel. |