Chronik der Feuerwehr Hermsdorf und des Löschwesens - Teil 3
Redaktionelle Anmerkungen zum Zeitraum November 1989 bis Ende 1991
 
© Dieter Plötner -FFW Hermsdorf und Stefan Lechner
 

Leider sind in den Aufzeichnungen der FFW Hermsdorf keinerlei konkrete Informationen über die Entwicklung zur Zeit der „Wende“ enthalten, so dass diese Anmerkungen einen kleinen Eindruck über die damaligen Geschehnisse vermitteln sollen.Natürlich konnten solche weltbewegenden Ereignisse, wie der Sturz des SED-Regimes und der glücklicherweise als „friedliche Revolution“ verlaufenden Veränderungen in der damaligen DDR nicht spurlos an der Feuerwehr vorübergehen.
Hin und wieder findet man in den Protokollaufzeichnungen die Anmerkung „wehrorganisatorische Probleme“. Hinter ihr verbirgt sich die Unfähigkeit, die damaligen Ereignisse in die richtigen Worte zu fassen. Die damaligen Gefühle der Kameradinnen und Kameraden waren von Hoffnung und Skepsis für das Kommende geprägt.

 

Mit dem sich vollziehenden politische Wechsel im Jahre 1990 und dem damit verbundenen Ziel der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten waren auch maßgebliche strukturelle Veränderungen im Bereich der Feuerwehren zu verzeichnen. Nach dem Beispiel der Altbundesländer wurde die Feuerwehr aus dem Unterstellungsverhältnis der „Volkspolizei“ herausgelöst. Die Abteilung Feuerwehr als übergeordnetes Organ beim Volkspolizei - Kreisamt Stadtroda wurde Ende September 1990 aufgelöst. Ab diesem Zeitpunkt mussten das Landratsamt und die Gemeinden die Aufgaben des Brandschutzes und der allgemeinen Hilfe als Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung eigenständig wahrnehmen.
Jedoch war dies oftmals mit großen Problemen verbunden, denn eindeutige gesetzliche Regelungen ließen lange auf sich warten und mit dem eigenen Satzungsrecht ging man sehr zurückhaltend um.
Die Konfrontation mit dieser Vielzahl von neuartigen Problemen bewirkte, dass man Hilfe und Rat bei Feuerwehren in den Altbundesländern suchte. Dabei wurden jedoch oftmals die landesspezifischen Besonderheiten des Brandschutzrechtes außer Acht gelassen.

Dies war auch beim Besuch des Wehrleiters der FFW der Keramischen Werke Hermsdorf 1990 im Daimler-Benz-Werk in Bremerhaven der Fall. Ohne dass die rechtlichen Strukturen des Stadtstaates Bremen berücksichtigt wurden, sollte auf Vorschlag der Wehrleitung der KWH Feuerwehr die betriebliche freiwillige Feuerwehr nach dem dortigen Beispiel in eine Feuerwehr mit hauptberuflichen Kräften umgebildet werden. Dem Wehrleiter der Ortswehr, Kamerad Günter Plötner, wurde dieses Ansinnen zu Hause während eines kurzen Besuches des Wehrleiters der KWH-Wehr, Kamerad Wolfgang Köhler, und des Leiters der Abteilung Brandschutz- und Arbeitssicherheit, Herrn Otmar Weimar, mitgeteilt.
In einer sehr drastischen Art und Weise teilte man mit, dass diese „Berufsfeuerwehr“ auch in der Lage sei, alle anfallenden Aufgaben im Territorium wahrzunehmen. Eine Freiwillige Feuerwehr in Hermsdorf mit umfangreicher Technik sollte somit nicht mehr erforderlich sein.

Durch das Landratsamt Stadtroda konnte die Wehrleitung der FF Hermsdorf jedoch hinsichtlich des zukünftigen Fortbestehens der örtlichen Feuerwehr beruhigt werden. Sah doch das in der Erarbeitung befindliche Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz die Unterhaltung einer örtlichen Feuerwehr als Pflichtaufgabe für jede Kommune vor.

Im Februar 1991 kam es zu einer abschließenden Aussprache hinsichtlich der Errichtung einer Werkfeuerwehr mit hauptamtlichen Kräften im Gerätehaus der Feuerwehr Hermsdorf. An dieser Aussprache nahmen u.a. der Geschäftsführer der Tridelta AG Herr Hofmann, Herr Weimar und der Wehrleiter Kamerad Köhler, der Bürgermeister der Stadt Hermsdorf Herr Manke, der Wehrleiter Kamerad Günter Plötner und der Kreisbrandinspektor des Landkreises Stadtroda Kamerad Dieter Plötner teil.
Die Vorstellungen der Tritelda AG gingen dahin, dass alle umliegenden Gemeinden einen jährlichen finanziellen Beitrag zur Unterhaltung der Werkfeuerwehr leisten sollten. Daraufhin könnten die freiwilligen Feuerwehren aufgelöst werden. Von Seiten der örtlichen Kommunen wurde dieses Vorhaben grundlegend abgelehnt.
Durch den KBI wurde die zu erwartenden rechtlichen Regelungen erläutert und darauf verwiesen, dass die Errichtung von Werkfeuerwehren zukünftig von der Brand- und Explosionsgefährdung des jeweiligen Betriebes abhängig sein wird.
Die Tridelta AG war von ihrem Produktionsprofil nicht als besonders brand- und explosionsgefährdet einzustufen. Somit wäre die Unterhaltung einer Werkfeuerwehr eine reine freiwillige Entscheidung der Geschäftsführung gewesen, die zwangsläufig auch von der Größe einer zusammenhängenden Firmenstruktur abhing.
Bedingt durch die sich abzeichnende betriebliche Zersplitterung in viele kleine Einzelunternehmen kam es im April 1991 zur unvermeidlichen Auflösung der betrieblichen freiwilligen Feuerwehr der Keramischen Werke Hermsdorf. Damit ging nach 87 Jahren eine Feuerwehrtradition zu Ende, die wirkungsvoll den Brandschutz in unserem Ort und im Landkreis mit geprägt hat.Einige Kameraden aus der Werkfeuerwehr fanden in unserer Wehr ein neues Betätigungsfeld und blieben somit der Sache treu.

Am 21. Mai 1991 wurde auf der Grundlage der neuen Feuerwehrsatzung die 1. Wahl des Stadtbrandinspektors und seines Stellvertreters vollzogen. Kamerad Günter Plötner wurde in seinem Amt bestätigt und zum Stellvertreter wählten die Kameradinnen und Kameraden den Kameraden Dietmar Plötner.

Der Feuerwehrnotruf 112, der vor der Wende im ehemaligen Landkreis Stadtroda an drei verschiedenen Stellen auflief, musste neu organisiert werden. Die Aufschaltung der Wählbereiche Stadtroda (Volkspolizei-Kreisamt), Ottendorf (Betriebswache der Jungrinderaufzuchtanlage) und Hermsdorf (Betriebliche Freiwillige Feuerwehr KWH) wurde im September 1991 mit Inbetriebnahme der Zentralen Leitstelle für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst abgeschlossen. Dabei wurde auch der Landkreis Eisenberg mit integriert.


Ende 1991 waren die wesentlichen Umstrukturierungen im Bereich unserer Wehr abgeschlossen.

 
Der Bau des neuen Gerätehauses vom 20.09.1995 bis 13.06.1997
 
 

Gesamtbaukosten für Vereinsheim und Gerätehaus 7,8 Mill. DM
Baukosten für das Gerätehaus: 6,6 Mill. DM, davon

4,24 Mill. DM Eigenmittel der Stadt Hermsdorf
2,62 Mill. DM Fördermittel vom Land Thüringen und
750 TDM Fördermittel vom Saale-Holzland-Kreis.

Nach Erhalt der Förderbescheide am 22. Mai 1995 konnte mit den Vorbereitungen für den Baubeginn begonnen werden.Am 22.September 1995 erfolgte auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofes der Keramischen Werke Hermsdorf in der Naumburger Straße 39 durch den Thüringer Innenminister Dr. Richard Dewes der „ Baggerstich".