Gasthaus „Zur Linde“ Hermsdorf Thüringen
 

Im Jahr 1871 besuchte Herzog Ernst das damals größte Holzlanddorf Hermsdorf. Aus diesem Jahr stammt die älteste bekannte Aufnahme aus Hermsdorf.

1871

Bildunterschrift: „Zur Erinnerung an den 27.April 1871, als seine Hoheit unser
gnädigst regierender Herzog Ernst nach dem glorreichen Siege aus Frankreich
zurückkehrend von hiesiger Gemeinde begrüßt wurde.“

 

Zu dieser Zeit gab es noch keine Straßennamen. Die im Bild abgelichtete Straße erhielt damals als erste in Hermsdorfs den Namen „Ernststraße“. Dieser Name bestand bis zum 16.07.1945, ab hier hieß sie Ernst-Thälmann-Straße. Im Jahr 1990 erfolgte dann wieder eine Umbenennung in Alte Regensburger Straße. Eben über diese Straße führte die an waldfreier, offener Seite durch Hermsdorf führende Regensburger, auch Naumburgische oder Oberländische genannte Fernhandelsstraße. Aber auch noch andere Wege aus frühgeschichtlicher Zeit sind bekannt, nachdem der Eisenberger Bezirk Durchgangsgebiet in Richtung West-Ost-West war. Die Regensburger Straße führte von Regensburg über Hof -Plauen - Schleiz -­ Auma - Hellborn durch die Fluren von Tautendorf und Gangloff über Herms­dorf, die Ziegenböcke, Nischwitz, Molau, Priesnitz, Neuflemmingen nach Naum­burg, das 1029 bereits königliches Marktrecht und lebhaften Verkehr besaß.
Bei Frauenprießnitz mündet in sie die alte, dem Salztransport dienende Salz­straße von Sulza, das bereits 1064 eine Salzsiederei hatte, und führte über Schmiedebausen, Camburg und Rodameuschel. In Anlehnung an die alte Handelsstraße erhielt diese 1990 ihren neuen Namen. Der heutige Straßenverlauf entspricht dieser alten Handelsstraße, bis auf die Tatsache, dass am Ende der Alten Regensburger Straße ihr Verlauf mitten durch das Gelänge des damaligen Gasthofes „Zum Schwarzen Bär im Grünen Wald“ heute nur noch „Zum Schwarzen Bär“ verlief. Erst später erfolgte die Verlegung in den Bereich des heutigen Verlaufes der Eisenberger Straße. Das Bärengelänge reichte bis zur heutigen Schulstraße.
Fast am Ende der im oberen Bild abgelichteten Straße lag schon immer der Gasthof
„Zur Linde“. Nach dem Gasthof „Zum Schwarzen Bär im Grünen Wald“, dem nachweislich ältesten Hermsdorfer Gebäude, mit seinem einst größten Gelänge in der Straße, war der Gasthof „Zur Linde“ wahrscheinlich das zweitgrößte und mit das älteste Gehöft. Folgende Flächen heutiger Grundstücke gehörten früher mit zum Anwesen „Zur Linde“:

Garten vom Alten Markt 2 - Lehneck, vorher Gräfe „Zuckermann“
gesamtes Grundstück Alter Markt 3 - Mölle, vorher Stempler, vorher Spitzweg
Garten vom Alter Markt 5 - Seide
Garten Alter Markt 6 - je 1/3 Edgar, Friedhelm und Anneliese Stiebritz (verh. Schmidt)

Aus Überlieferungen geht hervor, dass sich auf dem Linden-Anwesen über sehr lange Zeit eine Posthalterei befand. Deren Notwendigkeit wurde am 29.07.1876 mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Weimar - Gera und der gleichzeitigen Eröffnung einer Posthilfsstelle und eines Post- und Telegrafenamtes überflüssig.
Gleichzeitig existierte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Hengststation. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der zusätzliche Broterwerb mit Pferden eingestellt.

Seinen Namen verdankt der Gasthof einer großen Linde auf dem Grundstück. Noch um 1960 stand direkt am Haus eine Linde, die später gefällt wurde. Der Gasthof selbst hatte einige Veränderungen erfahren. So bestand bis nach dem 2. Weltkrieg noch ein eigener Backofen im Haus, der Eingangsbereich wurde verändert, bis zur Sanierung 1992/93 war der Hof noch überdacht.

Die Gastwirte und Eigentümer des Anwesens haben natürlich über ein solch lange Zeit mehrfach gewechselt. Leider sind diese von Beginn an nicht mehr lückenlos nachweisbar. Aus verschiedenen Unterlagen wurden die nachfolgenden Gastwirte bekannt:

Gustav Adolph Leidholdt

  • wurde von 1882 - 1885 erwähnt
  • im Adressbuch von 1912 ist Gustav Leidholdt als Landwirt und Hugo Leidholdt als Gastwirt verzeichnet
  • der Name „Leidholdt“ war 1993 bei der Sanierung auf dem Schiefer der Giebelwand noch lesbar

Robert Hesselbart

  • Er erscheint als Inhaber auf einer Postkarte, die zwischen 1906 und 1920 fotografiert wurde.
  • Robert Hesselbart wird 1925, 1928 und 1939 in den Adressbüchern unter Schillerstraße 12 aufgeführt. Hermsdorf gehörte zwischen 1890 bis 1920 zu Sachsen-Altenburg (S.-A.)
    Telefone wurden 1912 in Hermsdorf eingeführt. Erste Stromanschlüsse in der damaligen Ernststraße sind aus dem Jahr 1906 bekannt (auf dem Dach befindet sich eine Halterung für Strom oder Telefon).

Oskar Mund

  • wurde von 1919 bis 1927 erwähnt
  • Gewerbeerlaubnisschein wurde am 17.12.1919 erteilt

Hans Tümmling - Pachtwirt

  • wurde 1926 in einem Bericht über einen Brand in der Linde genannt

Paul Serfling (* 1885 † 1964) Beruf Bäckermeister

  • 1912 war er Kellermeister in der Bergstr. 24
  • um 1925 bis 1927 Bierverleger in der Ernststr. 2 (im Objekt "Zum Schwarzen Bär")
  • kaufte mit seiner Frau Liddy den Gasthof, einschließlich 5 ha Landwirtschaft von Oskar Mund, laut Grundbuchauszug vom 4.Juni 1927
  • Gastwirt von 1927 bis 1948

Bierflasche von Paul Serfling vermutlich aus seiner Zeit als Bierverleger um 1925 bis 1927.   Bierflasche von Paul Serfling vermutlich aus seiner Zeit als Bierverleger um 1925 bis 1927.
Bierflasche von Paul Serfling vermutlich aus seiner Zeit als Bierverleger um 1925 bis 1927.

Erwin Serfling (* 1915 † 1995) Beruf Fleischer

  • pachtete mit seiner Frau Ilse geborene Hädrich die Gaststätte von seinem Vater
  • Gastwirt von 1949 bis 1951

wieder Paul Serfling (* 1885 † 1964) Beruf Bäckermeister

  • Gastwirt von 1951 bis 1959
  • nahm seine Tochter Else Serfling, verheiratete Deutschmann in seine Dienste

Else Deutschmann

  • hatte die Gaststätte von ihrer Mutter, der Witwe von Paul Serfling gepachtet und     nach deren Tod im Jahr 1978 im Auftrag der Erbengemeinschaft weitergeführt
  • Gastwirtin von 1960 bis 1983
  • In ihrer Zeit wurden viele Feste gefeiert. In früheren Jahren wurde in den Gastwirtschaften auch noch viel gesungen. Man dichtete ihr zu Ehren auch ein Lied - klick hier.

Ursula und Günter Peupelmann

  • Gastwirtschaft ab 1984 in Untermiete von Else Deutschmann übernommen
  • 1992 von Serflings Erben gekauft
  • Herbst 1992 bis Frühjahr 1993 Grundsanierung und Modernisierung des vernachlässigten Gebäudes
  • obwohl schon früher Fremdenzimmer vermietet wurden, erfolgt mit der Rekonstruktion die Erweiterung zur Pension und Gaststätte „Zur Linde“
  • im Jahr 2000 wurde das gegenüber liegende Grundstück (vormals Manfred Chemnitz) zugekauft. Es erfolgte eine totale Entkernung und der Umbau zum Bettenhaus einschließlich Nebengelass.
 
                  www.linde-hermsdorf.de