Geschichte der Gärtnerei Eckardt
 

Die Gärtnerei Karl Eckardt wurde im Frühjahr 1932 gegründet, neben der Firmen Hermann Kirchner und Fritz Bauer war es der dritte Gärtnerbetriebe. Die Familie Kirchner hatte sich auf Rhododendron und Freilandazaleen spezialisiert während die Familie Bauer einen gemischten Gartenbaubetrieb unterhielt.

  • Karl Friedrich Eckardt wurde am 09.09.1906 in Hermsdorf geboren.

  • Er heiratete am 29.03.1931 die Bauerntochter Martha Elsa Eckardt geborene Chemnitz. Als Erbteil erhielt die Tochter eine Fläche von 0,5 ha = 5000 qm in Hermsdorf, Schulstraße 50a, Flur 12, Flurstück 429/1, worauf im Frühjahr 1932 die noch heute bestehende Gärtnerei errichtet wurde.

  • In dieser Ehe wurden drei Söhne geboren: Werner, Günther und Erhard Eckardt.

  • Das Ziel der Arbeit von Karl Eckardt war ein Gartenbaubetrieb mit 1.000 kleinen Dingen, die sich nach den Wünschen seiner Mitmenschen richteten.

  • Am Anfang grub er einen 8 Meter tiefen Brunnen in Handarbeit aus, um Wasser für die Bewässerung der Pflanzen zu gewinnen. Ein Wünschelrutengänger hatte zuvor die Stelle gefunden und die Tiefe festgestellt wo, Wasser möglich sei. Es wurde ein Erfolg, da Wasser schließlich für alles Leben notwendig ist und ganz besonders für die Gemüse- und Zierpflanzenproduktion in einer Gärtnerei. Das Wasser wurde damals mit einer Handpumpe in den Abendstunden aus diesem Tiefbrunnen in ein zuvor gebautes Bassin von ca. 8 Kubikmeter Fassungsvermögen gepumpt, damit es sich über Nacht erwärmen konnte und so für die Pflanzen besser verträglich war. Dieses Wasser war von einer hervorragenden Qualität mit günstigen pH - Werten für die Pflanzen. Des weiteren wurde über die Dachflächen der Gewächshäuser Regenwasser aufgefangen und in große Sammelbehälter in die Gewächshäuser eingeleitet, sodass für das lebensnotwendige Nass immer bestens vorgesorgt war. Ein freudiger Pflanzenwuchs bestätigte dies.

  • Die gesamte Fläche der Gärtnerei grub Karl Eckardt eigenhändig mit dem Spaten um und pflanzte die ersten Ziersträucher wie Koniferen und Stauden für die Trauerfloristik. Später entstanden dann drei große Gewächshäuser und eine Frühbeetanlage von 400 qm. Diese Neuerungen wurden nicht mit Krediten ermöglicht, sondern in Eigeninitiative erarbeitet und erwirtschaftet. Das heißt, dass man mit wenig anfing und sich Stück für Stück, so wie das Geld zur Verfügung stand, seinem Ziel näherte. Die Frühbeetanlage wurde ab Februar bis August mit Gemüse wie z.B. Gewächshausgurken, Tomaten, Kohlrabi, Salat und Blumenkohl bepflanzt. Ab September wurden die Gewächshäuser mit Topfpflanzen wie z.B. Alpenveilchen, Primeln, Chrysanthemen, Blattpflanzen und Schnittgrün vollgestellt. Hierbei ist noch zu erwähnen, dass Herr Karl Eckardt in seiner Zeit als Landschaftsgestalter den Alten Markt (damals Adolf - Hitler - Platz) arrangierte. Doch als die Nachfrage in der Bevölkerung nach Nutzpflanzen stieg, übergab er die Arbeit als Anlagengestalter seinen Kollegen in Bad Köstritz.
    Es wurde nun in der Gärtnerei alles herangezogen und verkauft was die Bevölkerung verlangte. Sämtliche Gemüse- und Blumenpflanzen für den Garten, Balkon- und Kübelpflanzen sowie Grabpflanzen für Frühjahr und Herbst. Auch viele Sorten Obstbäume und Beerenobst waren im Angebot. Der Absatz war zu dieser Zeit sehr gut.


  • Da Karl Eckardt in Bad Köstritz an der Höheren Gartenbaufachschule Vermessung und Planung gelernt hatte, wurden auch Grabgestaltungen und Landschaftsbau (Parkanlagen) durchgeführt.

  • Der Zweite Weltkrieg brach aus (1939 - 1945) und viele mussten in den Krieg ziehen. Doch glücklicherweise wurde Karl Eckardt UK gestellt (UK = unabkömmlich), da sein Gartenbaubetrieb für die Bevölkerung als lebensnotwendig eingestuft wurde. Somit blieb ihm der Kriegsdienst noch erspart. Als sich die Hoffnung auf einen Endsieg verschlechterte, wurde Karl Eckardt im Oktober 1944 doch noch zur Wehrmacht einberufen. Nach einer kurzen Belehrung und Ausbildung in Aschaffenburg kam Karl Eckardt zum Schützen-Grenadier-Regiment Ost der 81 Stabskompanie Großdeutschland sofort an die Front. Bei einem Spähtrupp gerieten sie in russisches MG-Feuer. Dabei erlitt Karl Eckardt einen Kniedurchschuss am linken Bein. Nach sofortiger Hilfe kam er nach Schweidnitz in ein Reservelazarett. Durch den Rückzug der deutschen Armee und Mangel an Medikamenten verstarb Karl Eckardt am 23.Januar 1945 an seinen Verwundungen. Er wurde dort auf dem Heldenfriedhof Schweidnitz kirchlich beerdigt. Wir wissen es von einem Pfarrer, der Frau Eckardt alles genau beschrieb. Dies war auch für alle Familienangehörige ein gewisser Trost zu erfahren, dass so ein geliebter Mensch noch eine würdige Beerdigung hatte.

  • 1945 - 1953 führte der Gärtnermeister Erich Zynka, ein schlesischer Junggeselle, den es durch den Krieg nach Thüringen verschlagen hatte, die Geschicke der Gärtnerei mit viel Fleiß und Aufopferung weiter. Er hatte sich hier in Hermsdorf bei dem Arbeitsamt gemeldet und wurde so von Frau Eckardt eingestellt. Herr Zynka verließ nach 8 - jähriger Treue den Gartenbaubetrieb Eckardt. Der Grund war, dass er mit der damaligen Partei- und Staatsführung der SED nicht einverstanden war und so flüchtete bei Nacht und Nebel in die BRD, wo er bessere Arbeits- und Lebensbedingungen antraf.

  • Ab 1954 Übernahmen dann die zwei Söhne von Frau Eckardt, die Brüder Werner und Günther, den Gartenbaubetrieb. Sie modernisierten den Betrieb und so entstanden noch zwei große Gewächshäuser und vier Folienzelte mit einer Fläche von rund 500 qm. Auch eine moderne Regenanlage wurde eingebaut, welche die aufwendige Gießarbeit erleichterte.

  • In dieser DDR - Zeit stand die Gemüseproduktion an erster Stelle. Schnittblumen durften damals nur in kleinen Mengen angebaut werden. Dies wurde von staatlicher Stelle kontrolliert. Ein damalige Parole der SED - Parteiführung an alle Gartenbaubetriebe lautete: „Es ist besser sich mit vitaminreichem Gemüse gesund zu erhalten, als sich mit Blumen im Krankenhaus erfreuen zu lassen".

  • Erst in den 80er Jahren wurde aus einem Hobby Wirklichkeit. Aus Experimentierfreudigkeit wurden nun von den beiden Brüdern Orchideen gezüchtet, die als Schnittblumen verkauft wurden, um die Nachfrage weiter zu decken.

  • Da die Hartbrennstoffe, wie zum Beispiel Koks und Steinkohle für die Beheizung der Gewächshausflächen wegfielen, musste die Heizungsanlage komplett auf Braunkohle umgebaut werden. Dazu musste ein 15m hoher runder Schornstein gebaut werden und die Kesselanlage mit neuen Unterbrandheizkesseln ausgerüstet werden. Erst dieser Umbau ermöglichte eine weitere störungsfreie Produktion.

  • Die beiden Söhne Werner und Günter legten ebenfalls ihre Gärtnermeisterprüfung in Gera mit Erfolg ab und führten in einer schweren Zeit, als vieles verstaatlicht wurde, den Gartenbaubetrieb als Privatbetrieb weiter.Dieser aufopferungsvolle und wichtige Beruf mit seinen Produkten und Produktion ist ein einziger Terminkalender. Auch Sonntags und an den Feiertagen, da es ein Beruf mit lebender Materie ist. Somit war die Unterstützung der ganzen Familie unerlässlich. Zusätzlich konnte man kaum Urlaub nehmen, um die Versorgung der Pflanzen zu sichern. Falls ein Angestellter dies jedoch in Betracht zog mussten seine Kollegen seine Arbeit übernehmen. Das bedeutete noch längere Arbeitszeiten. Hieraus wird ersichtlich, dass die Familie von einem Gärtner wenig hatte, da dieser den ganzen Tag am Arbeitsplatz war.

  • Nach der Wende wurde eine neue Gasheizung eingebaut, welche ebenfalls vom Betriebsvermögen finanziert wurde und einen Kredit nicht notwendig machte. Man wollte sich durch diese nur die Arbeit etwas erleichtern, um nicht mehr die schwere Kohle schippen zu müssen. Doch aufgrund der nun bestehenden sozialen Marktwirtschaft war ein großer Konkurrenzdruck zu verzeichnen. Die Verfahrensweise der Aufzucht musste geändert werden. Gewächse wurden nicht mehr aufgezüchtet, sondern bereits als fast ausgewachsene Pflanze erworben. Eine Heizung in der Größenordnung war nicht mehr notwendig und dementsprechend eine Fehlinvestition.

  • Der Gartenbaubetrieb Eckardt besteht noch in zweiter Generation seit 72 Jahre. Die dritte Generation wird es nicht mehr geben. In dieser Branche fehlt der Nachwuchs, da viele junge Menschen immer seltener bereit sind sich für eine Siebentagewoche zu entscheiden und den Beruf des Gärtners von der Pike auf zu lernen.
 
Kinoreklame
Diese Reklame lief vom 01.05. bis 31.12.1956 im Centralkino Hermsdorf.