So begann der damals erst dreizehnjährige Gerhard nach Abschluss
der Volksschule (heutige Friedensschule Hermsdorf) mit der Lehre in der
elterlichen Stellmacherei.
In
den drei Jahren als Geselle spürte er weniger die Gunst und
die Nachgiebigkeit des Meisters als vielmehr dessen alltägliche
Strenge und Härte. Gehorsam und unermüdlicher Fleiß -
ein Anspruch, den alle der damaligen Gesellen zu erfüllen hatten.
- Allen voran Sohn Gerhard.
Wohn- und Planwagen,
Karosserieaufbauten, Skier, Schlitten, Kutsch-, Pferde -
und Handwagen sowie Wagenräder aller Größen - das handwerkliche
Beherrschen dieser Vielfalt an Produkten in unverwechselbarer Qualität
zeichneten Vater Pöhler und Sohn Gerhard gleichermaßen aus.
Der u. a. vorgeschriebene große Pferdewagen war eines der Stücke,
mit denen Gerhard Pöhler im Jahre 1953 die Meisterprüfung in
Jena und Weimar absolvierte.
Von nun an und in den folgenden 13 Jahren arbeiteten die beiden Meister
Vater und Sohn Seite an Seite.
Als 1965 Gerhard Pöhler den Betrieb übernahm, hatten die Gesellen
inzwischen in der damaligen HESCHO zumeist körperlich leichtere
und besser bezahlte Arbeit gefunden.
Hinzu kam, dass sich das Berufsbild, das Rademacher, Wagner und Karosseriebauer
gleichermaßen in sich vereinigte, so langsam veränderte. Vor
allem der Karosseriebau verlangte immer weniger nach Holz - weniger gefragt
auch die hölzernen Autoaufbauten.
Noch beschwerlicher wurde es Anfang der siebziger Jahre für den
inzwischen ganz allein arbeitenden Gerhard Pöhler einer Verstaatlichung
des Betriebes zu entgehen. Unter schwierigsten Bedingungen behauptete
sich Gerhard Pöhler als Alleinmeister - immer mit dem Willen, das
Geschaffene zu bewahren und aufrechtzuerhalten und den beiden Töchtern
die Möglichkeit des Studiums zu bieten.
Ein Wagnis, dem er mühselig, gemeinsam mit seiner Frau Liane, tagtäglich
begegnete.
Die gelernte kaufmännische Angestellte und spätere Sekretärin
an der Hermsdorfer Friedensschule Liane Pöhler; geb. Roßburger,
hatte ihre Arbeit freiwillig aufgegeben, um ihren Mann bei der Bewältigung
aller betrieblichen Belange bedingungslos und unentgeltlich zu unterstützen.
Da unter damaligen Verhältnissen Ehepartner für die Arbeit
im eigenen Handwerksbetrieb nicht entlohnt werden durften, bedeutete
das für die „mithelfende Ehefrau“ Liane Pöhler
Arbeit und Verzicht gleichermaßen.
Seit den 70er Jahren
bis zur Wende wurde das produziert, was die Einkaufs- und Liefergenossenschaft
des holzverarbeitenden und Porzellanmaler - Handwerks für den Kreis Stadtroda eGmbH (ELG), der Gerhard Pöhler
angeschlossen war und der er 10 Jahre in der Revisionskommission angehörte,
in Auftrag gab. Dazu gehörte
sämtlicher Baustellenbedarf, wie Tische, Bänke und Dachauflegeleitern
in verschiedenen Längen .
Die Stellmacherei Pöhler war darüber hinaus Zulieferer für
die LETEX (ELG für Leder und Textilien in Hermsdorf) mit Gestellen
für Betten, für Liegen mit Bettkasten und rustikalen Couchgarnituren. Über
einen Zwischenaufenthalt im LETEX - Lager gingen die Waren schließlich
zu den Polsterern im Territorium.
Sämtliche Stiele u. a. für Schaufel, Spaten, Hacke, Hammer
und Axt sowie Reparaturarbeiten an Kutschen und Rädern schätzte
aufgrund ihrer Langlebigkeit auch nach der Wende die Pöhlersche
Kundschaft vor allem. Eben alle jene Produkte, die das Unverwechselbare
einer Stellmacherei ausmachen.
Über 19 Jahre arbeitete Gerhard Pöhler allein - eine Zeit,
die er nicht selten als „Plackerei „ umschrieb und die ihm
gesundheitlich zusetzte.
1985, als sich schon
die begrenzte Perspektive der Stellmacherei im klassischen Sinne abzeichnete,
fand er in seinem Schwiegersohn, dem Bautischlermeister Oliver Spoddeck,
einen Mitstreiter. Nach wie vor waren es die Aufträge
der ELG und der LETEX, mit denen man sich noch kurz nach der Wende über
Wasser hielt. Doch längst war abzusehen, dass die berufliche Zukunft
von Oliver Spoddeck, seit 1993 Inhaber der Firma Pöhler, eine anders
geartete sein würde und muss.
Sein ganzes Leben
schenkte Gerhard Pöhler mit Leib und Seele seiner
Stellmacherei.
Wie gern hätte er sich zur 750-Jahr-Feier an 50 Jahre zurückerinnert,
als er zusammen mit seinem Vater Paul Pöhler u. a. mit Wohn- und
Planwagen den Festumzug mit gestaltete.
Nach kurzer schwerer
Krankheit verstarb Gerhard Pöhler am 12. September
2005.
Sein Lebenswerk,
den Betrieb trotz aller Sanktionen am Leben zu erhalten, findet heute
seine Fortführung in der zielstrebigen Arbeit der Bautischlerei
PÖHLER - Spoddeck GmbH. |