Gerhard PÖHLER
*  29.05.1930 Hermsdorf
† 12.09.2005
Aufgeschrieben von Tochter Ute PÖHLER-Spoddeck

Stellmacherei PÖHLER mit Inhaber Gerhard Pöhler
in 2. Generation  (1965 – 1993)

Holz war sein Leben. Von klein auf in der Werkstatt seines stets rastlosen Vaters lebte in Gerhard Pöhler schon frühzeitig die Liebe zur Stellmacherei.
Zugegeben, da gab es den Essenbauer – ein Handwerk, das den jungen Gerhard schon gereizt hätte. Doch bei diesem Gedanken blieb es dann auch schon.

Denn die Bewunderung für das Können seines Vaters und die eigene handwerkliche Geschicklichkeit im Umgang mit Holz übertrafen alle anderen Überlegungen.  

So begann der damals erst dreizehnjährige Gerhard nach Abschluss der Volksschule (heutige Friedensschule Hermsdorf) mit der Lehre in der elterlichen Stellmacherei.
In den drei Jahren als Geselle spürte er weniger die Gunst und die Nachgiebigkeit des Meisters als vielmehr dessen alltägliche Strenge und Härte. Gehorsam und unermüdlicher Fleiß - ein Anspruch, den alle der damaligen Gesellen zu erfüllen hatten. - Allen voran Sohn Gerhard.
Wohn- und Planwagen, Karosserieaufbauten, Skier, Schlitten, Kutsch-, Pferde - und Handwagen sowie Wagenräder aller Größen - das handwerkliche Beherrschen dieser Vielfalt an Produkten in unverwechselbarer Qualität zeichneten Vater Pöhler und Sohn Gerhard gleichermaßen aus.
Der u. a. vorgeschriebene große Pferdewagen war eines der Stücke, mit denen Gerhard Pöhler im Jahre 1953 die Meisterprüfung in Jena und Weimar absolvierte.
Von nun an und in den folgenden 13 Jahren arbeiteten die beiden Meister Vater und Sohn Seite an Seite. Als 1965 Gerhard Pöhler den Betrieb übernahm, hatten die Gesellen inzwischen in der damaligen HESCHO zumeist körperlich leichtere und besser bezahlte Arbeit gefunden.
Hinzu kam, dass sich das Berufsbild, das Rademacher, Wagner und Karosseriebauer gleichermaßen in sich vereinigte, so langsam veränderte. Vor allem der Karosseriebau verlangte immer weniger nach Holz - weniger gefragt auch die hölzernen Autoaufbauten.
Noch beschwerlicher wurde es Anfang der siebziger Jahre für den inzwischen ganz allein arbeitenden Gerhard Pöhler einer Verstaatlichung des Betriebes zu entgehen. Unter schwierigsten Bedingungen behauptete sich Gerhard Pöhler als Alleinmeister - immer mit dem Willen, das Geschaffene zu bewahren und aufrechtzuerhalten und den beiden Töchtern die Möglichkeit des Studiums zu bieten.
Ein Wagnis, dem er mühselig, gemeinsam mit seiner Frau Liane, tagtäglich begegnete.
Die gelernte kaufmännische Angestellte und spätere Sekretärin an der Hermsdorfer Friedensschule Liane Pöhler; geb. Roßburger, hatte ihre Arbeit freiwillig aufgegeben, um ihren Mann bei der Bewältigung aller betrieblichen Belange bedingungslos und unentgeltlich zu unterstützen. Da unter damaligen Verhältnissen Ehepartner für die Arbeit im eigenen Handwerksbetrieb nicht entlohnt werden durften, bedeutete das für die „mithelfende Ehefrau“ Liane Pöhler Arbeit und Verzicht gleichermaßen.   

Seit den 70er Jahren bis zur Wende wurde das produziert, was die Einkaufs- und Liefergenossenschaft des holzverarbeitenden und Porzellanmaler - Handwerks für den Kreis Stadtroda eGmbH (ELG), der Gerhard Pöhler angeschlossen war und der er 10 Jahre in der Revisionskommission angehörte, in Auftrag gab. Dazu gehörte
sämtlicher Baustellenbedarf, wie Tische, Bänke und Dachauflegeleitern in verschiedenen Längen .
Die Stellmacherei Pöhler war darüber hinaus Zulieferer für die LETEX (ELG für Leder und Textilien in Hermsdorf) mit Gestellen für Betten, für Liegen mit Bettkasten und rustikalen Couchgarnituren. Über einen Zwischenaufenthalt im LETEX - Lager gingen die Waren schließlich zu den Polsterern im Territorium.
Sämtliche Stiele u. a. für Schaufel, Spaten, Hacke, Hammer und Axt sowie Reparaturarbeiten an Kutschen und Rädern schätzte aufgrund ihrer Langlebigkeit auch nach der Wende die Pöhlersche Kundschaft vor allem. Eben alle jene Produkte, die das Unverwechselbare einer Stellmacherei ausmachen.

Über 19 Jahre arbeitete Gerhard Pöhler allein - eine Zeit, die er nicht selten als „Plackerei „ umschrieb und die ihm gesundheitlich zusetzte.

1985, als sich schon die begrenzte Perspektive der Stellmacherei im klassischen Sinne abzeichnete, fand er in seinem Schwiegersohn, dem Bautischlermeister Oliver Spoddeck, einen Mitstreiter. Nach wie vor waren es die Aufträge der ELG und der LETEX, mit denen man sich noch kurz nach der Wende über Wasser hielt. Doch längst war abzusehen, dass die berufliche Zukunft von Oliver Spoddeck, seit 1993 Inhaber der Firma Pöhler, eine anders geartete sein würde und muss.

Sein ganzes Leben schenkte Gerhard Pöhler mit Leib und Seele seiner Stellmacherei.
Wie gern hätte er sich zur 750-Jahr-Feier an 50 Jahre zurückerinnert, als er zusammen mit seinem Vater Paul Pöhler u. a. mit Wohn- und Planwagen den Festumzug mit gestaltete.

Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb Gerhard Pöhler am 12. September 2005.

Sein Lebenswerk, den Betrieb trotz aller Sanktionen am Leben zu erhalten, findet heute seine Fortführung in der zielstrebigen Arbeit der Bautischlerei PÖHLER - Spoddeck GmbH.