Schon 1893 konnten von Hermsdorf, dank des großen Engagements von Oscar Arke, die ersten Hochspannungs-Isolatoren mit zylindrischem Mantel und im Folgejahr Spezialisolatoren für die Beleuchtung des Nord-Ostsee-Kanals geliefert werden.
Bedeutungsvoll für die gesamte Entwicklung der Hochspannungs-Isolatoren wurde das enge Freundschaftsverhältnis, das Oscar Arke mit Prof. Robert M. Friese, damals Chef der Wechselstrom-Abteilung der Elektrizitäts-Gesellschaft vormals Schuckert & Co. in Nürnberg, verband. Resultat dieser technischen - experimentellen Zusammenarbeit war die Erfindung der Delta-Glocke im Jahre 1897, mit der eine stürmische Entwicklung der Porzellanfabrik Hermsdorf einsetzte.
Die systematischen Untersuchungen von Prof. Friese veranlassten Direktor Arke 1901 zur Errichtung eines Prüffeldes (Bilder unten), welches für alle in Betracht kommenden Versuche und Prüfungen genutzt wurde. Aus heutiger Sicht ein großer Verdienst. |
Oscar Arke holte Spezialisten nach Hermsdorf. So berief er zum 01.04.1903 den damaligen Assistent des Physikalischen Institute der TH Dresden, William Weicker, als Leiter des Hochspannungsprüffeldes, das Weicker 1907 zu einem Versuchsfeld für Hochspannungsisolatoren ausbaute, und zwar in eine, Größe, wie sie damals an keine, anderen Stelle in Deutschland bestand. Und in diesem Prüffeld fand schließlich am 01.08.1908 Friedrich Scheid nach Abschluss der Königlich-Bayerischen Industrieschule in Nürnberg ein reiches Arbeitsfeld, besonders bei der Weiterentwicklung des Delta-Isolators.
Die großen Erfahrungen von Arke auf dem Gebiet des Elektroporzellans flossen auch ab 1904 in Planung and Aufbau der Porzellanfabrik Freiberg / Sa. der Kahla AG ein. Auch an der 1910 erfolgten Gründung des Syndikats der Vereinigten Porzellan-Isolatoren-Werke war Arke maßgeblich beteiligt. Etwa um 1910 wurde mit Erzeugnissen des Chemieporzellans eine neue Hermsdorfer Traditionslinie begründet. |
An das Herzoglich Staatliche Ministerium
Abteilung Inneres
in Altenburg
Schon seit längerer Zeit machen sich in Hermsdorf unter den daselbst ansässigen Porzellandrehern und Malern der Porzellanfabrik Zustände bemerkbar, deren Beachtung im öffentlichen Interesse geboten erscheinen dürften.
Ich meine die sozialdemokratische Propaganda, welche sich in den Ansammlungen der genannten Arbeiter in der unverschämten Weise breit macht und die mit einer Gefährlichkeit für die übrige Bevölkerung des Ortes von den Agitatoren durch polizeiliche Maßnahmen nicht ein Damm entgegengesetzt wird, so in jedem Ort, in dem sich eine Porzellanfabrik befindet, so besteht auch in Hermsdorf unter der Bezeichnung „Ortsverein“ eine Vereinigung des daselbst ansässigen „Dreher und Maler Personals“. Dieser Ortsverein hält jeden Monat eine Versammlung ab.
Statt das jedoch in diesen Verhandlungen Vereinsfachangelegenheiten besprochen werden, bilden dieselben nichts weiter als den Sammelpunkt für sozialdemokratische Umtriebe. Fachgenossen, welche nicht erwiesenermaßen dieselbe Gesinnung bestätigen, sind von dem Besuch dieser Veranstaltungen ausgeschlossen und es wird sogar eifrig darüber gewacht, dass keine Unberufener Zutritt erhält, der den Lauscher an der Tür spielt.
Fast zu jeder Versammlung treten Gäste als Redner von auswärts auf.
Welche Folgen eine derartige geheime Agitation nach sich zieht wird die Zukunft sehr bald zeigen. Die Anfänge machen sich schon jetzt bemerkbar, sie spiegeln sich in Vorgehen gegen die Fabrikordnung und in hetzerischen Zeitungsartikeln der sozialdemokratischen Presse - den Wähler Nr. 74 vom 14. September 1895 – wieder und werden, wenn der Schein nicht trügt, in einem gewalttätigen Streik für nächstes Frühjahr gipfeln.
Wie mit ein solchen aber für Hermsdorf und dessen nähere Umgebung ein empfindlicher sekundärer Schlag sein dürfte, erhellt darauf, daß die hiesige Fabrik wöchentlich ein Lohnbetrag von durchschnittlich 5600,- zur Auszahlung bringt.
Meine ganz ergebene Bitte als Leiter der hiesigen Fabrik geht dahin:
Das hohe Herzogliche Ministerium woll hoch gnädigst von meiner durchaus objektiven Schilderung der hiesigen Verhältnisse Kenntnis nehmen und nach Kräften derselben die geeigneten Schritte tun.
Nach dem Statut des hiesigen Ortsvereines der hiesigen Porzellandreher und Maler haben alle diejenigen Mitglieder auszuscheiden, welche zwei Wochen und länger keine Beiträge gezahlt haben. Solche Mitglieder gibt es aber meines Wissens mehrere.
Eine polizeiliche Auflösung des Vereins dürfte daher wohl gesetzmäßig sein, andernfalls würde eine polizeiliche Überwachung der Versammlungen des Ortsvereins ohne Zweifel schon eine Verbesserung der Zustände herbeiführen, weil damit die Brutstätte der Agitation lahm gelegt wird. Die Ausweisung des Vorstandes des hiesigen Dreherpersonals, des Drehes Friedrich Larsen geboren am 13.10.1865 in Kopenhagen, als des wütensten Agitators würde sich allerdings als ebenso notwendig erweisen, weil damit zugleich der Propaganda die Führerschaft , um die sich alles schart, entzogen würde.
Ich nehme in vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit
gez. Oscar Arke (L.L.)
L.R.A. Roda 26. September 1895 Aa 1561 |