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Bereits am 17.02.1947 wurde in einer Sitzung der Gemeindevertreter, durch die SED-Fraktion
initiiert, der Antrag gestellt, dass Hermsdorf Stadtrecht erhalten solle. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und
an die zuständigen Stellen über den Dienstweg weitergegeben. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Aufgrund der damals in Thüringen bestehenden gesetzlichen Bestimmungen war die Verleihung des Stadtrechtes für Hermsdorf damals nicht möglich.
Acht Jahre später - in Vorbereitung auf die 700-Jahr-Feier zur Ersterwähnung von Hermsdorf - wurde am 17.05.1955 durch den Bürgermeister Fritz Unrath in einem Schreiben an den Rat des Kreises angefragt, welche Voraussetzungen vorliegen, damit die Bezeichnung „Stadt“ zur Anwendung kommen kann. Die für einen solchen Akt erforderliche Begründung wurde nicht gegeben. Man wollte ausloten, welche Voraussetzungen vorliegen, um das Stadtrecht zu erhalten. |
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| Durch den Rat des Kreises wurde das Vorhaben befürwortet, gleichzeitig aber wieder auf die fehlende gesetzliche Grundlage hingewiesen. Am 07.02.1956
wandte sich Bürgermeister Fritz Unrath deshalb an den Ministerpräsidenten Otto Grotewohl, auch mit Hinweis auf Ilsenburg im Harz. Ilsenburg hatte bereits 1947 Stadtrecht erhalten. Bürgermeister Fritz Unrath und der Gemeinderat hofften bis zur 700-Jahr-Feier das Stadtrecht zu erhalten. Die Festwoche fand vom 18. bis 26.08.1956 statt, und schon
damals galt: „So schnell schießen die Preußen nicht!“ Es war absehbar, dass der Antrag keinen Erfolg haben würde. |
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Am 09.03.1956 ging die Antwort ein, worin mitgeteilt wurde, dass:
- Eine entsprechende gesetzliche Veränderung geschaffen wird, die auch für Gemeinden wie Hermsdorf die Bezeichnung „Stadt“ zulassen würde.
- Daraus aber keinerlei Bedingungen abgeleitet werden können und die Benennung nur ein formaler Akt sei.
Man konnte aus der Benennung keine Rechten oder Pflichten somit auch keine finanzielle Besserstellung erwarten. In soweit war auch die Bezeichnung „Stadtrecht“ falsch. |
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| Nach 12 Jahren erfolgte durch die Gemeinde Hermsdorf der nächste Vorstoß. Mit Beschluss Nummer 37 vom 07.12.1968 wurde am 24.12.1968 der Antrag auf Verleihung des Stadtrechtes, mit der Zielstellung zum 20. Jahrestag der DDR gestellt und an den Rat des Kreises gesandt. |
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| Bereits am 12.02.1969 stimmte der Rat des Kreises zu. Der schwarze Strich im Dokument oben (im Original blau) ist die Kennzeichnung für VVS (Vertrauliche
Verschlusssache -die 2. höchste Geheimhaltungsstufe damals). Warum dies als VVS eingestuft wurde, wird wohl ein Rätsel bleiben. |
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| Mit obigen Schreiben wurde der Antrag nunmehr zur Beschlussfassung im Kreistag für den 06.03.1969 weitergegeben. |
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| Beschlussvorlage für den Kreistag mit Begründung und Genehmigungsvermerk. |
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| Beschluss Nr. 22 vom 06.03.1969 zur Verleihung des Stadtrechtes bis zum 31.10.1969. |
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Als letzte Instanz stimmte am 16.09.1969 der Bezirkstag Gera mit Beschluss 74111/69 der Verleihung des Stadtrechtes mit Wirkung vom 07.10.1969 zu. Um es vorwegzunehmen:
- Die Verleihung wurde nicht wie festgelegt am 07. sondern am 05.10.1969 vorgenommen. Dies geschah deshalb, weil zu den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der DDR die Ehrengäste und der Vorsitzende des Rates des Bezirkes Gera Wenzel „andere wichtigere Termine“ wahrnahmen.
- Der Beschluss zur Verleihung (siehe oben) sah eigentlich den Namen „Stadt Hermsdorf“ vor, wurde aber nie so verwendet. Es blieb bei „Hermsdorf“, so sparte man sich neue Ortsschilder, Briefköpfe, Stempel usw.
- Kurt Liebau war 1962 bis 1980 hauptamtlicher Leiter des Orchesters im Kulturhaus „Völkerfreundschaft“ zu dieser Zeit nannte es sich „KaWeHa Orchester“, das heutige Blas-, Tanz-und Unterhaltungsorchester KWH e.V. Nach Zeitzeugen wurde das Orchester durch Laienmusiker verstärkt.
- Gerhard Förster (Singende Holzländer, Fröhliche Holzländer) war zu dieser Zeit Mitarbeiter im Kulturhaus. Fritz Stephan wurde später (siehe unten) Bürgermeister von Hermsdorf.
- Die Festveranstaltung fand in der neu eröffneten Gaststätte "Stadt Hermsdorf" statt, die auch aus diesem Anlass den Namen erhielt. Die Handwerker hatten gerade das Parket
neu verlegt, als die Gäste zur Veranstaltung kamen. Nach der Feier musste es deshalb neu geschliffen und lackiert werden.
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Im 5. Tagesordnungspunkt nahm Bürgermeister Karl Juch Auszeichnungen vor, hier im Bild von links:
- Juch, Karl -Bürgermeister.
- Zidella, Ilse -Leiterin Kindergarten nimmt Auszeichnung vor.
- Gäßner, Horst -Sekretär der Gemeinde, Leiter Allgemeine Verwaltung.
- Schöne, Rudolf -Berufsausbildung KWH / Jugendweiheausschuss
- Vogel, Max -Leiter Jugendweiheausschuss Hermsdorf.
- Heyer, Lieselotte -1.Beigeordnete / Abgeordnete.
- Schröder, Hannelore (verw. Dietel) -Abgeordnete.
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| Blick in den Saal zum Festakt -rechts Familie Hühn. |
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Die aus Anlass der Verleihung des Stadtrechtes erstellte Urkunde ist heute in der Stadtverwaltung nicht mehr vorhanden.
Ihr Verbleib ist bereits seit der Wende unbekannt. Es handelte sich um eine Urkunde in der Größe A 3, in eine in Leder gebundene Mappe eingelegt. |
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| Einige Angaben zur Entwicklung von Hermsdorf ab 1945 |
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Bürgermeister Einwohner im Jahr
02.05.1945 - 20.04.1949............ Wilhelm Sperhake ............... 5937......... 1945
20.04.1949 - 04.10.1952............ Johannes Rabitzsch............. 6056......... 1949
04.10.1952 - 19.05.1960............ Fritz Unrath
20.05.1960 - 31.03.1967............ Liselotte Heyer
01.04.1967 - 30.06.1971............ Karl Juch................................. 6120......... 1964
01.07.1971 - 12.09.1977............ Fritz Stephan........................ 10552......... 1971
01.07.1977 - 31.01.1981............ Renate Bätz.......................... 11056......... 1981
01.02.1981 - 31.01.1987............ Günter Klecha...................... 10924......... 1987
31.03.1987 - 30.05.1990............ Wolfgang Ille
01.06.1990 - 31.09.1990............ Hans-Jürgen Weiße........... 10254......... 1990
01.10.1990 - 30.06.1994............ Gerfried Manke....................... 9463......... 1994
01.07.1994 - zurzeit..................... Gerd Pillau............................... 8546......... 2008 |
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Im Jahr 1963 begann mit dem Abriss zahlreicher Häuser in der Naumburger Straße, dazu gehörten auch die Neuapostolische Kirche und das 30-Familienhaus die bis dahin größte Erweiterung der KWH. Das Gelände 2 wurde eingezäunt, die Bahnbrücke in der Naumburger Straße abgerissen. Über viele Jahre war dieser Weg nun gesperrt und nur noch für Betriebsangehörige offen. Bereits begonnene Baumaßnahmen wurden fortgesetzt, so unter anderen die Forschung, der „Blaue Bock“ und das Freiluftversuchsfeld. Der „Blaue Bock“ wurde 1969 bezogen, das Freiluftversuchsfeld neues Wahrzeichen der Stadt ging am 07.10.1969 in Betrieb. Seit 1964 wurden in der Waldsiedlungen neue Wohnungen gebaut. 01.01.1969 -Gründung des Kombinates Keramische Werke Hermsdorf ( K KWH) unter Generaldirektor Waldemar Schilling. Dieses ging aus der VVB Technische Keramik (Gründung 01.05.1958) hervor. Ohne das Kombinat KWH hätte die Stadt nie die Entwicklung nehmen können, wie dies der Fall war. Zahllose Einrichtungen wurden vom ehemals größten Betrieb der Stadt gefördert oder vollständig finanziert, zum Beispiel: Betriebspoliklinik mit Kinderklinik Ferienobjekte Kulturhaus Gewerkschaftsbibliothek Sportplatz Vereine und vieles mehr. Im Juni 1969 schaffte die Sektion Fußball erstmalig den Aufstieg in DDR-Liga. In einer Qualifikationsrunde hatte sich die Mannschaft um Trainer Erich Dietel mit Motor Werdau, Stahl Gröditz, Motor Nordhausen und Chemie Glas Ilmenau auseinanderzusetzen und erreichte dabei den 2.Platz, der zum Aufstieg berechtigte. In 13 Sonderbussen fuhren Hermsdorfer Fans zum Entscheidungsspiel nach Werdau. Aus Anlass der Eröffnung der Bahnlinie Gera -Weimar fand 1976 die Fahrt eines historischen Sonderzuges von Weimar nach Gera und zurück viele Zuschauer. Die Errichtung dieser Eisenbahnlinie trug in erheblichen Maß zur Wandlung von Hermsdorf zu einer Industriestadt bei. Im Jahr 1984 fanden im Bezirk Gera die 20.Arbeiterfestspiele statt. Veranstaltungen gab es dazu auch in Hermsdorf. Das seit Jahren von der Stadt
verbotene Maibaumsetzen wurde wieder „salonfähig“ und ab da wieder regelmäßig als Veranstaltung durchgeführt. Das 25jährige Jubiläum Stadtrecht Hermsdorf wurde 1994 begangen. Aus Anlass des Jahrestages wurden extra Kanaldeckel
gefertigt und eingebaut. Die Kanaldeckel findet man im Bereich Am Stadion 3 bis Einfahrt zu Aldi, in der Bergstraße / Waldstraße und an weiteren Stellen. Einen tieferen Sinn, warum dieses Jubiläum auf Kanaldeckeln gewürdigt wurde, ist nicht erkennbar. Am 17.01.1996 erfolgte die Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Hermsdorf durch den Zusammenschluss der Gemeinden:
- Mörsdorf,
- St. Gangloff,
- Reichenbach,
- Schleifreisen und der
- Stadt Hermsdorf.
VG -Vorsitzender wurde der Bürgermeister der Stadt Hermsdorf Gerd Pillau. Ihn löste 1999 Karin Präßler ab. Der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft war im Rathaus der Stadt Hermsdorf bis Herbst 2000, dann im Stadthaus. 2009 wurde Gerd Pillau wieder als VG-Leiter amtierend eingesetzt. Karin Präßler begann den Rückzug in den Ruhestand, ist aber noch zeitweise im Hauptamt aktiv. Im Jahr 2006 beging Hermsdorf in einer Festwoche, mit zahlreichen Veranstaltungen, Vorträgen und anderen Aktionen den 750. Jahrestag der Ersterwähnung. Im Jahr 2009 begingen wir den 753 Jahrestag, davon nun 40 Jahre mit Stadtrecht. |
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