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Durch das Holzland und mitten durch Hermsdorf schlängelt
sich die alte Handels- und Heerstraße, die Regensburger Straße,
weil sie die alten Bischofssitze Naumburg und Regensburg verband und deshalb
auch Naumburger- oder Regensburger Straße genannt wurde. Sie war
für das gesamte Holzland von besonderer Bedeutung. Wie aus der Chronik
hervorgeht, muss diese Verkehrsverbindung schon um 1100 bestanden haben
und durch dichten Urwald seinen Lauf genommen haben, denn die Gegend war
den Menschen wahrlich unbekannt, allein den wilden Tieren und ungezähmten
Bestien Kund, schrieb der Chronist. Von Auma her führte die Straße
vom Süden in nördliche Richtung durch das Holzland. An dieser
Straße entstanden mauerumfriedete Fuhrmannsgasthöfe, wie die
„Neue Schenke“ bei Tautendorf, der „Zum Schwarzen Bär“
in Hermsdorf, der „Gasthof zu den Ziegenböcken“ und der
„Gasthof zum Trotz“ in unserem Gebiet, dazu noch eine Reihe
außerhalb des Holzlandes, die aber alle in einem alten Fuhrmannslied
„Von Naumburg“ bis Hof“ besungen wurden.
In Hermsdorf steht mitten im Ort der Gasthof „Zum
Schwarzen Bär“. In einer Chronik heißt es, 1646 ließ
der Wirt Dämmrich seinen Gasthof „Zum Schwarzen Bär“
neu erbauen und der Bau glich einer Feste, oder einer alten Burganlage,
die sich bis in unsere Tage erhalten hat. Nur die ältesten und baufälligsten
Teile, sowie die alte Brauerei und die Remise sind abgerissen worden.
Als der alte Teil mit dem Taubenschlage abgerissen wurde, entdeckte man
in der Wandremise ein altes Wandbild, welches noch niemand bis dahin aufgefallen
war, weil der Raum immer im Halbdunkel lag. Es stellte die damaligen Landfuhrleute
mit dem Planenwagen in blauen, weiten Kitteln dar. Das Bild scheint ein
durchreisender Handwerksbursche angefertigt zu haben, als er in dem Raume
übernachtete. Das Bild wurde von der Abteilung Heimat- und Denkmalspflege
zu Weimar fotografisch festgehalten so der Nachwelt erhalten.
Im siebenjährigen Krieg war der Besitzer die Witwe
Gentsch, sie scheint wohlhabend gewesen zu sein, denn sie hatte 1762 die
stärkste Einquartierung zu unterhalten und musste 24 Mann und 29
Pferde verpflegen. Vom Gasthof „Zum Schwarzen Bär“, gegenüber
an der Geraer Straße, steht das Haus von Grunerts Bäcker, einer
alteingesessenen Hermsdorfer Bäckerfamilie. Der alte Bäcker
Michael Gruner hatte die zweitstärkste Einquartierung und musste
14 Mann, 13 Pferde und ein Weib ins Quartier nehmen und verpflegen.
Inzwischen hat der Gasthof noch mehrmals seinen Besitzer gewechselt. 1919
hat ihn Bruno Thomas von Reinhold Serfling übernommen und seit dem
ist viel erneuert und renoviert worden.
Wenig bekannt ist die Geschichte von der alten Magd, die
viel gewagt, wie mir erst neulich der Besitzer des alten Gasthofes erzählte
und die bisher noch nicht veröffentlicht zu schein scheint. Als alles
ausgegangen war und die Magd allein im Gasthof war und sie am Fenster
nach der jetzigen Bergstraße zu sah, beobachtete sie scharf die
alte Heerstraße, da es im dichten Wald nicht geheuer war und sich
manches Gesindel umhertrieb. Da bemerkte sie, wie sieben Männer um
das Gebäude schlichen und ins Haus einzudringen suchten. Als sie
sich anschickten durch die Kellerlucke einzusteigen, wo heute noch die
Runkelrüben in den Keller gelassen werden, war sie so beherzt, dass
sie mit dem Beile in den Keller ging und sich an der Luke aufstellte.
Der Keller war wie ein Tiefkeller unter der Straße. Als nun der
erste den Kopf durch die Luke steckte, schlug sie ihm mit dem Beile den
Kopf ab und stürzte ihn in den Tiefkeller und so fort, bis sie alle
erledigt hatte.
An der Stelle „Zum Schwarzen Bär“ mag
die Gegend recht sumpfig gewesen sein, denn als 1929, bei Kanalisationsarbeiten
bis 3 Meter tief ausgeschachtet wurde, fanden sich Knüppeldämme
in mehreren Lagen. Die Hölzer waren teilweise noch gut erhalten,
weil sie im Sumpfe von der Luft abgeschlossen waren. Dazwischen fanden
sich Kettenstücke und Hufeisen, die von den Pferden im Morast verloren
wurden. Die Sumpfstellen sind damals mit Knüppeldämmen überbrückt
worden und wenn ein Holzbelag zu tief im Schlamm eingedrückt war,
wurde ein neuer darauf gebaut, bis der auch wieder versunken war. Der
Sumpf ist erst später entwässert und die Straße ausgebaut
worden, dabei blieben die Hölzer darunter liegen, bis sie durch den
Straßenbau teilweise ans Tageslicht gelangten. In den Jahren 1929
und 1930, als Hermsdorf seine Straßen ausbaute und zuvor erst Kanalisation
legte, kamen viele Fremde nach hier, um sich die alten Funde und Überlieferungen
aus damaliger Zeit anzusehen und mancher nahm sich ein solch altes Stück
Holz aus den Jahrhunderten mit nach Hause.
Durch die günstige Lage an der Regensburger Straße
veranlasste, nahmen viele Hermsdorfer das Fuhrgewerbe auf. Die Holzländer
fuhren in blauen, weiten Kitteln mit Planwagen bis nach Hamburg und an
die Ostsee, bis an den Rhein und die Donau, bis nach Österreich.
Sie nahmen die Erzeugnisse des Holzlandes mit und brachten bei ihrer Heimkehr
nicht nur neue Nachrichten, sondern auch allerlei Waren mit, wie Fiche,
Gurken, Zwiebeln und dgl..
Das Hauptziel war meistens Naumburg, und meine Mutter,
jetzt 94 Jahre alt, aber immer noch rüstig und geistig auf der Höhe,
berichtet heute noch davon, wie sie erst mit dem Schubkarren, dann mit
dem zweirädrigen Ziehkarren, den Hund vorgespannt, noch vor Morgengrauen
nach Naumburg und Abend zurück gepilgert sind. Sie brachten in einem
6 bis 7 stündigen Fußmarsch Heidelbeeren nach Naumburg. Eine
Bahnverbindung bestand damals noch nicht. Die Gera-Weimar Eisenbahn wurde
erst 1876 erbaut, und trotzdem das Fahrgeld billig war, wurde nur gefahren,
wenn es äußerst notwendig war. Bei diesen Fahrten und Fußmärschen
wurde in alte Gasthöfe an der Regensburger- oder Naumburger Straße
vielfach Rast gehalten.
So liegt etwa 3 km von Hermsdorf in nördlicher Richtung mitten im
Walde der Gasthof „Zu den drei grauen Ziegenböcken“,
einfach „Ziegenböcke“ genannt. Ab dem 13. Jahrhundert
wird er nach Aufzeichnungen an einer Tafel im Hausflur des Gasthofes als
„Jägerei des Klosters zu Lausnitz“ bezeichnet. Dann wird
er 1712 urkundlich genannt, hatte aber noch keinen Namen und wurde als
Wirtshaus am Teufelssee bezeichnet, wohl deshalb, weil ganz in der Nähe
die Klosterlausnitzer Sümpfe liegen, an die sich zahlreiche Sagen
anknüpfen. Der Besitzer war Hans Klostermann. Der Gasthof gehörte
nach der Chronik von Bobeck zum Gemeinde- und Kirchenverband Bobeck. Bei
den Ziegenböcken zweigt auch links ein Weg nach Waldeck ab, der in
seiner Geraden nach Bobeck führt. 1733 wurde Johann Andreas Recke
Pachtwirt und mit der Wirtin Marie Zeunert 1787 tauchte die heutige Bezeichnung
„Ziegenböcke“ auf. Dann wurde 1793 Gottlieb Held, 1816
der Müller Karl August Pflock aus Utenbach Wirt und schon nach drei
Jahren 1819 Johann Christian Sander. 1828 Johann Friedrich Trebst(e) und
1830 Karl Schömitz. 1856 ging der Gasthof unter dem Wirt Karl Preller
in den Gemeinde- und Kirchenverband Serba, dem jetzigen Kreis Eisenberg,
über. Von 1889 an waren Anna und Richard Schlegel aus Hermsdorf Besitzer
des Gasthofes und ab 1920 bewirtschaftete ihn Karl Schlegel aus Hermsdorf.
In dem Gasthof scheint es früher lustig hergegangen zu sein, denn
wie aus einer Urkunde aus dem Jahre 1808 hervorgeht, musste gegen die
ledige Dirne Dorothee Marie Zeunert eingeschritten werden. Es wurde auch
Anklage wegen Waldfrevel und Holzdiebstahl erhoben.
Trotz aller Unannehmlichkeiten und Erschwernisse der damaligen
Zeit waren die Holzländer ein lustiges und sangesfreudiges Völkchen.
Besonders kam der Humor zum Durchbruch, wenn sie beim Nationalgetränk
des Holzlandes, dem Rumkaffee saßen, dann schmetterten sie aus vollen
Kehlen. In der Zeit entstand, wie schon angegeben, das alte Fuhrmannslied
„Von Naumburg bis Hof“, in dem die alten Fuhrmannsgasthöfe
besungen wurden:
1. In Naumburg geht’s die Hohle raus,
und die Neuhäuser Wirtin, die hängts Maul recht raus
Futterallerallera, Futterallerallera.
2. In Prießnitz fahrn wir in tiefen Dreck hinein
und die Mohlhäuser Wirtin spannt kein Fuhrwerk mit ein.
3. In Tierschneck hängen Bratwürste raus
und in Wetzdorf spannte alles Fuhrwerk aus.
4. Der Rausch’zer (1) Wirt hat zwei schöne
Schimmel,
doch sein Sohn ist ein großer Lümmel.
5. Der Trotz, der ist ein Staatswirtshaus
auf den Ziegenböcken springen die Mäuse raus.
6. In Hermsdorf hängt der Schwarze Bäre
und die Neuschenker Wirtin springt der kreuze und der quere.
7. Auf der Sorge sieht’s drecksch und schmutzig
aus
und de Grutzger (2) Friede die kocht Sauerkraut.
8. In Mittelpöllnitz müssen wir Chausseegeld
zahln
und in Braunsdorf geht’s die Stufen nan.
9. In Auma fahren wir rechts vorbei
und in Krilp (3) kehrn wir bei der Hennechristel ei.
10. In Schleiz, drinne steht die Schinderei
und die Zollgrüner Wirtin die ist vogelfrei.
11. Nun fahren wir sachte ins Gefell hinein
und in Hof schenkt man uns nur „Bayrisch“ ein.
(1) Rauschwitz (2) Gerode (3) Krölpa
Die Hauptblütezeit der Fuhrleute war in den 30er
Jahren des vorigen Jahrhunderts, nach dem Ausbau der Straßen und
Gründung des Zollvereines. Allerdings war auch diese Blütezeit
nur von kurzer Dauer. Als 1876 die Bahnline Gera-Weimar gebaut war, hatten
die Fuhrleute keine Verdienstmöglichkeiten mehr und verarmten mehr
und mehr. In seinem Zorn dichtete ein Hermsdorfer:
Wer hat
denn nur den Dampf erdacht,
die Fuhrleut um ihr Brot gebracht?
Wir sind jetzt wahrhaft übel dran,
der Teufel hol die Eisenbahn!
So waren die Fuhrleute gezwungen sich als Händler
umzustellen. Sie haben aber mit der modernen Technik Schritt gehalten
und benutzen heute alle motorisierte Verkehrsmittel. Die alte Regensburger
Straße mit seinen Fuhrmannsgasthöfen ist aber bestehen geblieben
und sind noch Kinder der damaligen Zeit.

Originalunterschrift des Dokumentes
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