Werner Seelenbinder

Arbeitersportler (Ringer)

* 02.08.1904 Stettin (Szczecin)
† 24.10.1944 Brandenburg hingerichtet

  • Sieger des Arbeitersportturniers 1926 in Wien
  • mehrfacher Deutscher Meister im Halbschwergewicht
  • Sieger der Spartakiade der Roten Sportinternationale 1928 in Moskau
  • seit 1928 Mitglied der KPD
  • vierter im olympischen Turnier 1936
  • nutzte Reisen ins Ausland für Kurierdienste
  • Sieger der 1. Internationalen Arbeiterolympiade 1925
  • während des 2. Weltkrieges kämpfte Seelenbinder in der von R. Uhrig geleiteten Berliner Widerstandsorganisation gegen den faschistischen deutschen Imperialismus.
  • Von der Gestapo 1942 verhaftet
  • 1944 zum Tode verurteilt und in Brandenburg hingerichtet

 

Werner Seelenbinder Gedenkstein
Werner Seelenbinder
 
Seit 1928 KPD-Mitglied, verziehen ihm die Nazis seinen Protest gegen das Regime anlässlich der Siegerehrung zur Deutschen Meisterschaft 1933 niemals. Für seinen aktiven Widerstand als Kurier der illegalen KPD brachten ihn die Nazis und die deutsche Justiz auf das Schafott. Nach einem Jahr KZ-Haft und Folter war Seelenbinder von einstmals 90 auf 60 Kilo abgemagert und körperlich nur noch ein Schatten seiner selbst. Über sein Inneres mag der nachstehend dokumentierte Brief vom 24. Oktober 1944, dem Tag seiner Hinrichtung, an seine Liebsten Zeugnis ablegen.

"Die Stunde des Abschieds ist nun für mich gekommen. Ich habe in der Zeit meiner Haft wohl alles durchgemacht, was ein Mensch so durchmachen kann. Krankheit und körperliche und seelische Qualen, nichts ist mir erspart geblieben. Ich hätte gerne gemeinsam mit Euch, mit meinen Freunden und Sportkameraden, die Köstlichkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens, die ich jetzt doppelt zu schätzen weiß, nach dem Krieg mit Euch erlebt. Es waren schöne Stunden, die ich mit Euch verlebt habe, und ich habe in meiner Haftzeit davon gezehrt und mir diese herrliche Zeit zurück gewünscht. Das Schicksal hat es nun leider nach langer Leidenszeit anders bestimmt. Ich weiß aber, dass ich in den Herzen von Euch und auch bei vielen Sportanhängern einen Platz gefunden habe, den ich immer darin behaupten werde. Dieses Bewusstsein macht mich stolz und stark und wird mich in letzter Stunde nicht schwach sehen

Werner Seelenbinder war mehrfach in Hermsdorf und nahm hier auch an Wettkämpfen der damals sehr starken Hermsdorfer Ringer teil. Fotodokumente dazu sind bisher nicht bekannt. Es gibt aber nachfolgendes Foto:


Foto: K.S.Verein 1921 Hermsdorf - zur Verfügung gestellt von W.Hühn St.R.i.R.

Karl Leisering - ein bis in die jüngste Vergangenheit bekannter Sportler aus Hermsdorf,
vermerkte auf der Rückseite "Ringkampf Berlin Lürich 08 - Hermsdorf"

K.S.Verein 1921 Hermsdorf

In den weißen Turnhemden die Sportler des "Kraftsportvereines Hermsdorf 1921"
In der hinteren Reihe, der 3. von links, ist der Freund von Werner Seelenbinder.
Werner Seelenbinder war zu diesem Wettkampf verhindert und konnte nicht nach Hermsdorf kommen.


Am 28.08.1958 wurde der Sportplatz von Hermsdorf feierlich in "Werner-Seelenbinder-Sportstätte" umbenannt. Am gleichen Tag erfolgte die Umbenennung des Sportplatzweges vor dem Stadion in Werner-Seelenbinder-Straße. Im Jahr 1976 erhielt die in der Nachbarschaft der Sportstätte gebaute damalige 2. POS den Namen "Werner Sellenbinder".
Nach ihrer Fertigstellung erhielt die neue Sport- und Mehrzweckhalle ebenfalls den Namen "Werner-Seelenbinder-Halle".
2006 - 2007 wurde die heutige Regelschule (2.POS) saniert. Mit ihrer Eröffnung erhielt diese plötzlich den Namen "Am Hermsdofer Kreuz". Diese Namensänderung entsprach nicht den gesetzlichen Vorschriften.